Der Lebensrückblick des schwarzen deutschen Zeitzeugen Theodor Michael

Location: Saal
Wann: DO 15.05.2014 19.30 Uhr
Abendkasse: frei
Vorverkauf: entfällt

Das Gothaer Aktionsbündnis gegen Rechts lädt zu einer Lesung des 1925 in Berlin geborenen Sohn einer Deutschen und eines Kameruners. Was Theodor Michael alles vor, während und nach dem Krieg in Deutschland erlebte, liest der heute fast 90-Jährige und ehemalige Regierungsdirektor des BND aus seinem Buch vor. Im Anschluss wird zu einer kleinen Diskussion geladen.

Theodor Michaels Autobiografie ist so aberwitzig, dass sie erfunden sein könnte, wenn sie nicht allzu wahr wäre. Er entfaltet in ›Deutsch sein und schwarz dazu‹ eine Welt, die man so nicht gekannt hat, beschrieben von einem Mann, den man für seine Kraft, das alles zu bewältigen, nur bewundern kann, und dafür, dass es ihm gelungen ist, die Menschlichkeit zu bewahren. Theodor Michael erzählt ganz nüchtern, aber die Ereignisse sprechen für sich.

Theodor Michael wurde 1925 in Berlin als Sohn einer Deutschen und eines Kameruners geboren wurde. Als sein Vater nach Deutschland kam, war Kamerun noch deutsches Schutzgebiet, sprich Kolonie. Afrikaner wurden in Deutschland ganz freundlich aufgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Kolonien verloren und das Klima wurde deutlich unfreundlicher. Man fand, die Schwarzen sollten den Deutschen keine Arbeitsplätze wegnehmen. Aber in den sehr beliebten Völkerschauen kamen sie noch unter, die „Artfremden“ mit dem „negroiden Einschlag“. Sogar in der Nazi-Zeit, als Statisten in den äußerst beliebten Kolonialfilmen. Doch dann landeten sie im KZ oder in Zwangsarbeiterlagern. So erging es auch Theodor Michael: Nachdem seine Eltern starben, schlug er sich als Page, Portier und Komparse durch, bis er 1943, mit 18 Jahren, in einem Zwangsarbeiterlager interniert wurde.

›Deutsch sein und schwarz dazu‹ hat Theodor Michael in der Vergangenheit viele Probleme bereitet.

Theodor Michael hat das alles überstanden, um dann nach Kriegsende feststellen zu müssen, dass er der Kollaboration verdächtigt wurde, weil er überlebt hatte. Damals hätte er es sich nicht träumen lassen, dass er einmal als Regierungsdirektor beim BND in den Ruhestand gehen würde.

Seit seiner Pensionierung engagiert er sich für die afro-deutsche Gemeinde und ist ein gefragter Ansprechpartner für die Presse.

Fotoverweis: Mark Leonhard